Bauliche Vermögenswerte: China zieht an den USA vorbei

19.10.2015 16:14 | Von: ARCADIS Deutschland GmbH

China ist, gemessen am Wert seiner baulichen Vermögenswerte (Built Assets), zum reichsten Land der Welt geworden. Deutschland liegt im Ranking international an fünfter Stelle und ist hinsichtlich der untersuchten Parameter nach wie vor das ökonomische Kraftzentrum eines insgesamt stagnierenden bis rückläufigen Europas.


China steht am Besten da. - jsbaw7160 (CC0 Public Domain)

Muss aber dringend infrastrukturellen Investitionsrückstau abbauen, um den Negativtrend aufzuhalten und seine Position im globalen Vergleich zu halten. Was den Verlust baulicher Vermögenswerte im Untersuchungszeitraum angeht, zeigt Deutschland mit -21f einen Negativrekord. Dies stellt der jetzt von Arcadis, dem führenden Planungs- und Beratungsunternehmen für natural and built Assets (natürliche Schutzgüter und bauliche Vermögenswerte), veröffentlichte Global Built Asset Wealth Index fest.

Der Global Built Asset Wealth Index, von Arcadis gemeinsam mit dem CEBR (Centre for Economics and Business Research) als globaler Vermögensindex für bauliche Vermögenswerte entwickelt, berechnet für 32 Länder den Wert aller Immobilien und Infrastruktureinrichtungen, die zur wirtschaftlichen Produktivität beitragen. Diese 32 Länder erwirtschaften zusammen 87 Prozent des globalen BIP.

Gesamtwert von 218 Billionen USD

Alle weltweit vorhandenen baulichen Vermögenswerte haben zusammen derzeit einen geschätzten Wert von 218 Billionen USD. Dies entspricht einem Betrag von 30'700 USD pro heute lebender Person. Chinas Vermögen an Built Assets liegt zurzeit bei 47,6 Billionen USD. Die Volksrepublik hat damit die USA überholt, die mit 36,8 Billionen USD an zweiter Stelle liegen. Seit dem Jahr 2000 hat China 33 Billionen USD in seine baulichen Vermögenswerte investiert. Dieser Betrag übertrifft den aller anderen Volkswirtschaften zusammen und ist ein Beweis für Chinas beispielloses Mass an Investitionen in die Infrastruktur, nämlich 9 Prozent seines BIP. Die Investitionsquoten von globalen Wettbewerbern wie z.B. den USA, die gegenwärtig nur 2 Prozent ihres BIP investieren, sind im Vergleich dazu verschwindend gering.

Wie die diesjährigen Untersuchungen ergeben haben, belegt Katar inzwischen eine weltweite Führungsposition und hat Singapur hinsichtlich der baulichen Vermögenswerte pro-Kopf überholt. Der Wert der Built Assets pro Staatsbürger beläuft sich in Katar auf 198'000 USD. Deutschland liegt in dieser Kategorie mit 123'000 USD pro-Kopf im vorderen Mittelfeld.

"Gesundheit und Vermögen können unterschiedlich gemessen werden"

Julien Cayet, Global Leader of Business Advisory bei Arcadis, erklärt: "Die Gesundheit und das Vermögen einer Nation können auf viele verschiedene Arten gemessen werden. Das BIP und die Beschäftigungsrate sind zwar von grossem Wert, doch stützt sich eine wohlhabende und prosperierende Gesellschaft auch auf eine gut entwickelte gebaute Umwelt, welche die Bedürfnisse ihrer Bevölkerung und Wirtschaft erfüllt." Cayet weiter: "Chinas Position im diesjährigen Report markiert einen tiefgreifenden Wandel in der Weltrangliste der an baulichen Vermögenswerten reichsten Nationen weltweit. Angesichts aktuell unsicherer Zukunftsaussichten müssen sich jedoch auch China und seine schnell wachsenden Nachbarn wieder mehr auf Qualität als auf Quantität konzentrieren."

"In den entwickelten Industrieländern verzeichnen wir im Untersuchungszeitraum Stagnation oder sogar Rückgang des Bestandes an baulichen Vermögenswerten, da die alternde Infrastruktur verfällt und die Investitionen nicht Schritt halten oder halten können. Diese Erkenntnis kommt zu einem Zeitpunkt, an dem diese Länder den staatlichen Gürtel enger schnallen und mit weniger mehr erreichen müssen. Für den volkswirtschaftlichen Nutzen ist es daher wichtig, dass jede getätigte Investition - seien es nun neue Gebäude und Infrastruktureinrichtungen oder Modernisierungen und Instandhaltung - den gesamten Lebenszyklus eines baulichen Vermögenswertes berücksichtigt."

Die führenden 10 Nationen im Global Built Asset Wealth Index von Arcadis sind:

  1. China       47,6 Bio.  +1
  2. USA         36,8 Bio.  -1
  3. Japan       18,2 Bio.  =
  4. Indien      15,2 Bio.  =
  5. Deutschland 10,2 Bio.  =
  6. Russland    8,4 Bio.   +3
  7. Italien     7,914 Bio. =
  8. Frankreich  7,912 Bio. -2
  9. Südkorea    6,1 Bio.   -1
  10. 1Brasilien   6 Bio.     +3


Der Global Built Asset Wealth Index zeigt eine signifikante Verlagerung von Vermögen in die Schwellenländer. Die traditionellen wirtschaftlichen Supermächte (die G7) weisen gegenüber dem Report von 2013 einen Nettorückgang des Wertes ihrer baulichen Vermögenswerte auf. Built Assets verlieren jedes Jahr ca. 5 Prozent pro Jahr an Wert. Allein zur Erhaltung des Status quo muss daher mindestens in gleichem prozentualem Ausmass investiert werden. Dies bedeutet allein für die USA einen jährlichen Aufwand von etwa 1,4 Billionen USD.

Ein negativer Effekt der seit fast einem Jahrzehnt andauernden Konjunkturschwäche in Europa ist die Investitionszurückhaltung. Länder wie Indonesien, Thailand und die Philippinen zeigen im gleichen Zeitraum mit steigenden Investitionsquoten in Built Assets deutlich positivere Tendenzen.

Die wichtigsten Punkte aus dem Global Built Asset Wealth Index 2015:

  • China hat den weltweit grössten Bestand an baulichen Vermögenswerten mit einem Gesamtwert von 47,6 Billionen USD und verdrängt die USA, die einen Gesamtwert von 36,8 Billionen aufweisen. - Chinas stark investitionsbasiertes Wachstumsmodell lässt für 2025 einen Built Asset Gesamtwert erwarten, der den der USA um 100 Prozent übertrifft und grösser ist als der aufsummierte Wert aller vier Folgeländer im Ranking.
  • Der Bestand an baulichen Vermögenswerten steht in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Leistung eines Landes. Im Durchschnitt haben die analysierten Länder einen Bestand an baulichen Vermögenswerten, der sich auf das 2,9-fache des BIP beläuft.


Führende Länder beim Pro-Kopf-Vermögen:

  • Katars gesamter Bestand an baulichen Vermögenswerten ist seit 2000 um 677 Prozent gestiegen. - Katars Bauindustrie wächst derzeit jährlich bereits um 18 Prozent. Es wird erwartet, dass im nächsten Jahrzehnt weitere 150 Milliarden USD investiert werden.
  • Dubai allein hat seit der Jahrtausendwende mehr als 190 Wolkenkratzer gebaut. - Grossbritannien schneidet beim Pro-Kopf-Vermögen in baulichen Vermögenswerten vergleichsweise schlecht ab (mit 76'000 USD pro Kopf) und fällt hinter alle anderen G7-Nationen zurück. In den nächsten 5-10 Jahren sind allerdings bereits 300 Milliarden £ an weiteren Investitionen geplant.
  • Zu den führenden Nationen bezüglich Pro-Kopf-Vermögen in baulichen Vermögenswerten zählen die asiatischen Wirtschaftszentren. Singapur (191'500 USD pro Kopf), Hongkong (160'000 USD), Japan (143'500 USD) und die Vereinigten Arabischen Emirate (140'500 USD) bilden zusammen mit Katar die Top 5.
  • Im Pro-Kopf-Vermögen in baulichen Vermögenswerten steht China mit seiner riesigen Bevölkerungszahl von 1,4 Milliarden Menschen mit 34.000 USD pro Kopf nur an 24. Stelle, sogar noch hinter Chile (48'000 USD), Mexiko (47'500 USD) und Thailand (44'500 USD).


Wertverluste in Europa:

  • Die entwickelten Länder in Europa haben zwischen 2012 und 2014 nicht genug investiert, um den Wertverlust ihrer Infrastruktureinrichtungen zu kompensieren.
  • Im globalen Vergleich weist Japan den grössten Wertverlust auf. Das Land hat seit der Jahrtausendwende 4,6 Billionen USD an baulichen Vermögenswerten verloren.
  • Deutschland hatte seit dem Jahr 2000 mit -21 Prozent proportional den stärksten Wertverlust gebauter Vermögenswerte zu verzeichnen.
  • Zu den sonstigen entwickelten Ländern, für die seit dem Jahr 2000 erhebliche De-Investitionen diagnostiziert wurden, gehören die Niederlande (-5%), das Vereinigte Königreich (-8,9%), Frankreich (-10,2%) und Russland (-18,7%). Der Bestand in den USA ist hingegen annähernd konstant geblieben (-0,8%).
  • Den deutlichsten kurzfristigen Rückgang der Built Asset Werte hatte Spanien - mit -3,8 Prozent seit dem Jahr 2012.
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