Wie viel Geld ist ein Fussballer wirklich wert?

28.06.2017 11:30 | Von: Universität Liechtenstein

Marktwerte von Fussballspielern werden bisher vor allem von Experten und Fans geschätzt. In Kooperation mit der IT University of Copenhagen haben Wissenschaftler der Universität Liechtenstein nun einen Algorithmus zur Spielerbewertung entwickelt, mit dessen Hilfe der Marktwert eines Fussballspielers automatisiert und auf Basis objektiver Daten berechnet werden kann.


Fussball ist längst nicht mehr nur ein Sport, sondern vor allem auch ein Geschäft. Spielertransfers sind für die Klubs daher sowohl sportlich als auch wirtschaftlich enorm wichtig - am Markt werden häufig zwei- oder gar dreistellige Millionenbeträge für Fussballspieler gezahlt.

Im Profifussball werden Marktwerte bislang vor allem von Sportmagazinen oder aber von Fans auf Internetplattformen wie "transfermarkt.de" geschätzt. Die Genauigkeit von Experten- und Fanschätzungen wurde wiederholt bestätigt, allerdings sind solche Schätzungen in der Regel sehr aufwendig. Nicht selten werden Marktwerte daher lediglich ein- oder zweimal im Jahr aktualisiert.

Information per Knopfdruck

Im Unterschied dazu kann der Algorithmus, der von Dr. Alexander Simons und Dr. Markus Weinmann von der Universität Liechtenstein gemeinsam mit Dr. Oliver Müller von der IT University of Copenhagen entwickelt wurde, Marktwerte "auf Knopfdruck" berechnen. Der Algorithmus ermöglicht damit eine sehr viel objektivere und effizientere Form der Spielerbewertung.

Auch wenn bisher lediglich ein Prototyp vorliegt, verdeutlichen die Forschungsergebnisse das Potenzial datenbasierter Marktwertschätzungen im Profifussball - insbesondere zur Identifikation von Talenten im Scouting oder zur Ermittlung von Transfersummen in Vertragsverhandlungen.

Wer wird vom Markt über- oder unterbewertet?

Der Algorithmus wurde auf Basis von Spielerdaten aus den fünf europäischen Top-Ligen über einen Zeitraum von sechs Spielzeiten entwickelt. Er umfasst neunundzwanzig Leistungs- und Popularitätsindikatoren - von Alter und Position über Tore und Vorlagen bis hin zu Nachrichtenschlagzeilen - und zeigt, wie sich diese Indikatoren auf den Marktwert eines Spielers auswirken.

"Ein Tor erhöht den Marktwert eines Spielers um etwa 2,5 Prozent, eine Vorlage um etwa 1,5 Prozent", so Markus Weinmann. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der Algorithmus verwendet werden kann, um am Markt über- oder unterbewertete Spieler zu identifizieren.

Wird im Profifussball zu viel gezahlt?

Ein Vergleich mit tatsächlich gezahlten Transfersummen zeigt, dass der neue Ansatz ähnlich exakte, jedoch wesentlich effizientere und transparentere Marktwertschätzungen als bisherige Methoden ermöglicht. Während der Algorithmus bei Transfersummen von bis zu 18 Millionen Euro beispielsweise insgesamt exaktere Schätzungen lieferte als "transfermarkt.de", waren die Schätzungen auf "transfermarkt.de" dagegen häufig bei höheren Transfersummen akkurater.

Dies kann einerseits bedeuten, dass der Algorithmus zukünftig noch um weitere Faktoren zur Bewertung von Top-Spielern zu erweitern ist. Andererseits können die Evaluationsergebnisse aber auch darauf hindeuten, dass Transfersummen ab einer gewissen Grössenordnung nicht mehr allein mit Leistung oder Popularität gerechtfertigt werden können.

Artikelfoto: Marcello Casal Jr/Agência Brasil (CC BY 3.0 BR); Quelle: Wikimedia

Fussball, News, Verträge, News, News, Verletzungen, Pressemitteilungen, News, News, Gerüchte